Wirtschaft und Finanzen Argentiniens

Mit einem Bruttoinlandsprodukt von mehr als 500 Milliarden US$ ist Argentinien eine der größten Volkswirtschaften Lateinamerikas. In den vergangenen Jahren hat sich die Regierung von Präsidentin Cristina Fernández darauf konzentriert die wirtschaftliche Entwicklung gemeinsam mit der sozialen Integration zu fördern.

Argentinien erfreut sich guter Beziehungen mit den meisten Ländern der Region, insbesondere mit Brasilien und Venezuela. Das Land setzt sich auch führend für die Region ein, es vertritt gemeinsam mit Mexiko und Brasilien Lateinamerika bei den G-20. Allerdings haben sich die Beziehungen zu den Nachbarländern Uruguay und Chile politisch verschlechtert. Mit Uruguay streitet sich die Regierung um den Betrieb einer Zellulosefabrik am Grenzfluss zwischen den beiden Ländern.

Wichtigstes Exportgut Nahrungsmittel

Argentiniens Wirtschaft zeichnet sich durch wertvolle natürliche Ressourcen aus, die aufgrund der Landwirtschaft und der Rinderzucht aus dem Land einen der wichtigsten Produzenten für Nahrungsmittel gemacht haben. Argentinien ist einer der weltweit größten Exporteure für Rindfleisch und der größte Hersteller von Sonnenblumen, Yerba mate, Zitronen und Sojaöl. Die Öffnung des chinesischen Marktes bedeutete einen Schub für die Konsolidierung des Exportprofils.

In den Jahren vor 2013 erlebte das Land ein Rekordwachstum der heimischen Industrie, speziell der Automobil-, Textil- und Elektrogeräteindustrie.

 

Wichtige Wirtschaftsdaten Argentiniens

2013

2014

2015

BIP US$

610,3

536,2*

539,9*

BIP je Einwohner

14.709*

12.778*

12.724*

Wirtschaftswachstum, % real

2,9

-1,7*

-1,5*

Haushaltssaldo (% BIP)

-2,4

-2,4*

-2,3*

Jährliche Neuverschuldung (% BIP)

2,8

4,5*

5,5*

*) Schätzungen oder Prognose

 

Das offizielle Bild zeigt eine gute Wirtschaftslage. Das Land zeigte in den mehr als zehn Jahren bis 2013 ständiges Wachstum und investierte stark in Gesundheit und Bildung, die für 8% und 6% des Bruttoinlandsprodukts verantwortlich sind. Zwischen 2000 und 2011 ist die Mittelklasse von 34% auf 53% der Bevölkerung gewachsen. Sozialausgaben wurden Vorrang eingeräumt, einschließlich der Einrichtung eines Kindergelds, das rund 3,7 Millionen Kinder und Jugendliche bis 18 Jahre erreicht und damit 9,3% der Bevölkerung. Die Regierung beansprucht für sich, die Armut fast vollständig beseitigt zu haben.

Stagnierende Wirtschaft, hohe Inflation

Doch die Realität sieht nicht so günstig aus: Die Wirtschaft stagniert mehr oder weniger. Die Inflation ist entgegen den Beteuerungen der Regierung nicht unter Kontrolle und mit rund 30% kaum zu bändigen. Ein großer Teil, Schätzungen zufolge rund 40% der argentinischen Jugendlichen, wachsen weiterhin in Armut auf. Kritiker werfen der Regierung vor, die öffentlichen Zahlen zu manipulieren und damit ein falsches Bild der Wirtschaft Argentiniens zu zeichnen

Der Außensektor der Wirtschaft steht vor bedeutenden Herausforderungen. Für 2014 und 2015 werden eine Abnahme des Bruttoinlandsprodukts um rund 1,5% erwartet. Und die Aussichten für Argentiniens Wirtschaft sind trübe: Wegen einer juristischen Auseinandersetzung mit Schuldnern aus der Staatspleite von 2001, angeführt vom New Yorker Hedgefonds NML Capital aus dem Elliott-Imperium des US-Milliardärs Paul Singer, die sich nicht an den zwei Umschuldungen beteiligt haben, droht Argentinien seine Zahlungen auf seine Außenschuld erneut zu stoppen.

Zahlungsunwillig im Schuldenstreit

Formal hatte Argentinien hatte Ende Juli 2014 wegen des Rechtsstreits die zweite Staatspleite binnen 13 Jahren anmelden müssen, bedient aber andere Gläubiger weiter. Argentinien ist anders als 2001 nicht wirklich zahlungsunfähig, sondern eher „zahlungsunwillig“. Die Situation verschärft den Mangel an Devisen, die Argentinien für den Import von z.B. Medikamente, Benzin, Maschinen benötigt. Denn schon seit mehr als 10 Jahren bekommt Argentinien kein Geld mehr im Ausland. Die  Regierung hat eine strenge Devisenzwangswirtschaft eingeführt, um zu verhindern, irgendwann ohne Devisen dazustehen. Privatpersonen kommen deshalb kaum noch legal an Dollar.

 

Quellen: Germany Trade & Invest, Weltbank, Presse;
letzte Aktualisierung: Dezember 2014

 

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Wirtschaft und Finanzen in Argentinien