Néstor Kirchner

Néstor Kirchner
Néstor Kirchner. Foto: Presidencia de la Nación Argentina.

Der Mann aus der Provinz

Kann Kirchner halten, was er im Wahlkampf versprach? Arbeitsplätze, soziale Gerechtigkeit, Aufschwung für die Wirtschaft Argentiniens, Bekämpfung der Korruption - das waren seine Schlagworte.

Am 25. Februar 1950 in der Hauptstadt der Provinz Santa Cruz geboren ging er zunächst seinen Weg als Rechtsanwalt und engagierte sich bei den Peronisten. Während der Militärdiktatur zählte er zu deren linkem Flügel. 1987 wurde er zum Bürgermeister von Río Gallegos gewählt, der Hauptstadt der Provinz Santa Cruz. Von 1991 bis zu seiner Wahl zum Staatspräsidenten war er Gourverneur dieser Provinz.

Mehr als zweieinhalbtausend Kilometer von Buenos Aires entfernt, im patagonischen Süden des Landes, hat Kirchner die Finanzen geordnet und die Arbeitslosigkeit beträgt nur 3,5 Prozent. Kein Wunder, bei gerade 200.000 Einwohnern und ergiebigen Öl- und Gasvorkommen. Allerdings gibt es auch kritische Stimmen, nicht nur, weil er nur durch eine Verfassungsänderung eine dritte Amtszeit als Gouverneur antreten konnte; auf eine umstrittene Weise brachte er die Öleinnahmen der Provinz, immerhin eine halbe Millarde Dollar, im Ausland sicher unter.

Mann ohne Eigenschaften?

Innerhalb der peronistischen Gerechtigkeitspartei spielte er nur eine untergeordnete Rolle, bevor ihn Eduardo Duhalde unterstützte, der unter allen Umständen verhindern wollte, dass Menem noch einmal zum Präsidenten gekürt wird. Für seine Unabhängigkeit spricht, dass Kirchner 1996 innerhalb der Partei eine Strömung gründete, die sich von der Politik Menems und Duhaldes klar unterschied.

Der 55-Jährige wirkt im Vergleich zu den argentinischen Polit-Schwergewichten hölzern, grau und langweilig. Kein Charisma, kein Frauenheld, kein Rennfahrer. Dafür hat Kirchner seine Ehefrau Cristina, eine Senatorin mit Sinn für Extravagantes, die ihren Ehemann berät und auf seine Politik großen Einfluss haben soll.

Erfolgreiche Politik

Kirchner versucht von Beginn seiner Amtszeit an nicht den Eindruck zu erwecken, ein schwacher Präsident zu sein - besonders nachdem Menem sich zurückzog und Kirchner mit seinen 22 % aus dem ersten Wahlgang vom 27. April 2003 zum Präsidenten wurde. So warnte er schon bald davor, sich nicht von Teilen des Arbeitgeberlagers unter Druck setzen zu lassen und begann, umstrittene Strukturen in Polizei und Militär zu säubern.

Argentinien hat nach der Finanz- und Wirtschaftskrise unter Kirchner einen bemerkenswerten Erholungsprozess durchlaufen. Einen entscheidenden Anteil hatte wohl daran die harte Haltung der Regierung bei den Verhandlungen mit den privaten Gläubigern.

Kirchner zunehmend beliebt

Der zunächst unscheinbar wirkende Kirchner erfreute sich im Land selbst einer zunehmenden Beliebtheit. Gründe sind die Politik zur Säuberung der Militär- und Polizeistrukturen, die Einsetzung parlamentarischer Untersuchungsverfahren gegen umstrittene Richter des Obersten Gerichtshofs, der Kampf gegen die Korruption, die weitere Aufarbeitung der Verbrechen der Militärdiktatur, die Stärkung nationaler Interessen und die verstärkte Präsenz des Staates in der Wirtschaft. Ein ungelöstes Problem blieb jedoch die schwierige soziale Situation in Argentinien.

Kirchners Ehefrau, Cristina Fernández, war Abgeordnete und Senatorin, zunächst in ihrer Heimatprovinz Santa Cruz, dann als Senatorin und Abgeordnete im Nationalkongress. 2005 wurde sie zur Senatorin der bevölkerungsreichen Provinz Buenos Aires gewählt. Die Opposition warf den Kirchners wiederholt einen autoritären Regierungsstil vor. Kirchner regierte mit einem kleinen Kreis Vertrauter, während seiner Amtszeit hat er keine einzige reguläre Kabinettssitzung anberaumt, keine einzige Pressekonferenz abgehalten. Zudem wurden beide für lukrative Geschäfte im Schatten der Macht kritisiert.

2007 verzichtete Kirchner auf eine Wiederwahl. Stattdessen machte er seine ehrgeizige Frau zur Kandidatin. Warum, bleibt letztlich unklar. Es erscheint warscheinlich, dass die Kirchners mit diesem Schachzug ihre Macht noch für Jahre sichern wollten oder dass Néstor Kirchner Verschleißerscheinungen einer zweiten Amtszeit fürchtete.

Überraschender Tod

Die Nachricht vom Tod des einflussreichen Ex-Präsidenten kam überraschend inmitten der großen Volkszählung, die gerade in Argentinien stattfand und löste eine Welle nationaler und internationaler Beileidsbezeugungen aus. Néstor Kirchner starb am  27.10.2010 in El Calafate, Provinz Santa Cruz, an einem Herzinfarkt.

 

Quellen: La Nación online, Clarín online, taz online; Spiegel online, Auswärtiges Amt, Wikipedia, Standard.at

 


Meldungen zum Tode Kirchners


Néstor Kirchner und Cristina Fernandez 2008

Nestor Kirchner: Der Schattenpräsident

27.10.10 | ZEIT. Argentinien lag am Boden, als er ins Amt kam. Doch seine drastischen und international umstrittenen Maßnahmen zeigten Wirkung. Zum Tode von Ex-Präsident Nestor Kirchner...

Néstor Kirchner 1950-2010

27.10.10 | STANDARD.AT. Er war zusammen mit seiner Frau und derzeitigen Präsidentin Cristina der einflussreichste Politiker Argentiniens. Zusammen hatten sie Pläne geschmiedet, sich an der Macht abzuwechseln ...

Der Tod des mächtigen Reformers

27.10.10 | SUEDDEUTSCHE. Néstor Kirchner und seine Frau Cristina beherrschten Argentinien so sehr wie zuvor nur Juan Domingo und Evita Perón. Jetzt erlag Argentiniens Ex-Präsident überraschend einem Herzinfarkt. Das Land wird seinen Tod spüren ...

Ex-Präsident Kirchner stirbt an Herzinfarkt

27.10.10 | SPIEGEL. Der frühere argentinische Präsident Néstor Kirchner ist tot. Er starb an einem Herzinfarkt. Der Ehemann der amtierenden Staatschefin Cristina Kirchner wurde nur 60 Jahre alt ...

Trauer in Argentinien: Ex-Präsident Néstor Kirchner ist tot

27.10.10 | SUEDDEUTSCHE. Der ehemalige argentinische Präsident Néstor Kirchner ist gestorben. Der Ehemann der amtierenden Staatschefin war einer der mächtigsten Politiker des Landes - und aussichtsreicher Anwärter auf das Präsidentenamt bei der Wahl im kommenden Jahr.

Tod Kirchners schockt Argentinien

27.10.10 | ZDF.HEUTE. Néstor Kirchner war der wohl einflussreichste Politiker Argentiniens. Sein Tod bringt das fragile Machtgefüge ins Wanken. Viele Menschen reagieren geschockt. Ob sich seine Witwe allein im Haifischbecken der Politik durchboxen kann, wird sich zeigen ...

 

Sie befinden sich hier / Home / » HANDELN / Politik / Néstor Kirchner