Traigo un pueblo en mi voz - Mercedes Sosa

Mercedes Sosa wurde am 9. Juli 1935 in San Miguel de Tucumán in einfachen Verhältnissen geboren. Zufall oder nicht: Nur wenige Wochen vor ihrer Geburt starb Argentiniens Tangolegende Carlos Gardel bei einem Flugzeugabsturz in Kolumbien. Und: An einem 9. Juli - allerdings im Jahr 1816 - hatte Argentinien seine Unabhängigkeit erklärt.

Wurzeln

Dort, wo Mercedes Sosa bescheiden aufwuchs, lernte sie die Ausdrucksweise des Volkes kennen. Sie tanzte, wurde Lehrerin für einheimische Tänze und sang auch.
Ihr Aufstieg in der argentinischen Volksmusikszene begann Mitte der 60er Jahre, gemeinsam mit ihrem Ehemann, dem Musiker Manuel Oscar Matus und dem Dichter Armando Tejado Gómez. Mercedes Sosa war vielleicht die erste Interpretin der Bewegung der "Nuevo Cancioneros" (Neue Liedermacher), die den im Erfahrungsschatz der Indios wurzelnden künstlerischen Ausdruck erneuerte. Damit schaffte es Mercedes Sosa, die Grenze zwischen Randgruppenmusik und kommerzieller Musik zu überschreiten.

Mercedes Sosa: Cover Canciones con Fundamento

Auf dem Weg zur "Stimme Lateinamerikas"

Ihr erstes Lied nahm sie 1965 auf, ihre erstes Album 1966 (Yo no canto por cantar). Mit dem Lied "Alfonsina y el Mar" (Alfonsina und das Meer) bewirkte Mercedes Sosa Wunder: es ging von Mund zu Mund und blieb im Gedächtnis haften. Man gewöhnte sich an ihre unglaubliche Stimme im Radio und begann über die Kraft ihres Gesangs zu sprechen. Zum ersten Mal nahmen die Medien wahr, dass es eine andere Art von Liedern gab, die die Leute auch gerne hörten und die auch Erfolg haben konnten. 1967 erschien ihr zweites Album "Hermano" und ihr drittes Album "Para cantarle a mi gente".

Nach dem Lied "Alfonsina y el Mar" sang Mercedes Sosa in der Oberklasse der populären Musik Argentiniens. Radiosendungen und Zeitungsartikelwurden ihr gewidmet, ihre Platten verkauften sich gut. Ein Erfolg folgte dem anderen: "Cancion con Todos", "La Cigarra", "El Tiempo pasa", " Soy Pan", "Soy Paz", "Soy Más", und viele andere.

Die politische und sozialkritische Sängerin

1972, als die Zensur der Militärregierung schwer auf Kunst und Musik lastete, veröffentlichte Mercedes Sosa "Hasta la victoria" (Bis zum Sieg), eine Platte gespickt mit Liedern politischen und sozialen Inhalts. 1973, dem Jahr der Wiederkehr der Demokratie, erschienen "Mercedes Sosa" und "Traigo un pueblo en mi voz" (Ich trage ein Volk in meiner Stimme).

Cover: Mercedes Sosa - Al Despertar

Im August 1976, nach dem erneuten Staatsstreich der Militärs, erschien "Mercedes Sosa" - eine Platte, auf der Themen der Chilenen Víctor Jara und Pablo Neruda, der Peruanerin Alicia Maguiña und des Kubaners Ignacio Villa zu hören waren.

Mit "Mercedes Sosa interpreta a Atahualpa Yupanqui" gibt die Sängerin dem bekanntesten Volksmusiker des Landes die Ehre. Doch zum lachen war niemandem zu Mute: Während der Zeit der Militärjunta verschwanden etwa 30.000 Menschen. 1979 erschien inmitten der Gewalt "Serenata para la tierra" (Serenade für die Erde), mit der Sosa dem Leben entgegensang. Doch nachdem sie während eines Konzertes in der Stadt La Plata zusammen mit 350 Zuschauern festgenommen worden war, musste Mercedes Sosa ins Exil. Sie lebte zunächst in Paris und ließ sich dann 1980 in Madrid nieder.

Am 18. Februar 1982 konnte sie zurückkehren, um vor argentinischem Publikum in der Oper von Buenos Aires mehr als ein Dutzend Konzerte vor ausverkauftem Haus zu geben. Sie wurde dabei von den herausragendsten Musikern Argentiniens begleitet, sogar einige Rockgrößen wie León Greco und Charly García. Kurz darauf wurde das Ende der Diktatur mit dem Falklandkrieg (Guerra de las Malvinas) eingeleitet. Legendär ist Mercedes Sosas Doppelalbum "Mercedes Sosa en Argentina", das während der Konzerte in der Oper von Buenos Aires aufgezeichenet wurde und das die Rückkehr Argentiniens zur Demokratie auch künstlerisch besiegelte.

Botschafterin der Welt

Mercedes Sosa ist nur die Spitze des Eisbergs der "Nueva Cancion Latinoamericana " (Neues lateinamerikanisches Lied). So verhalf sie dem Werk der Chilenin Violeta Parra Gehör, sie führte Pablo Milanés und Silvio Rodríguez neues Publikum zu und sie erschloss dem Brasilianer Milton Nascimento den spanischsprachigen Markt. Nicht zu sprechen von den unzähligen argentinischen Liedermachern, die ohne die Unterstützung der "Negra" (Die Schwarze), wie Mercedes Sosa liebevoll genannt wird, völlig unbekannt geblieben wären. Schließlich machte Mercedes Sosa in den letzten Jahren auch Rockmusiker jenseits der Grenzen Argentiniens bekannt, weil Sosa - die alles singt, was ihr gefällt - ihre Lieder interpretiert.

Es gibt wohl keinen Konzertsaal, in dem Mercedes Sosa noch nicht gesungen hat. Eine Vielzahl an Tourneen führte sie durch die ganze Welt, oft auch nach Deutschland.

Mercedes Sosa hat es sich grenzüberschreitend mitten im Spannungsfeld zwischen Popmusik und Volksmusik bequem eingerichtet. Ihr Publikum kennt kein Alter: die Älteren und Alten mögen sie, genauso wie die Jungen und Jüngsten. In ihrer Musik verschmelzen traditionelle und moderne Strömungen der Musik des lateinamerikanischen Kontinents - wie bei einer Mutter, die alles zusammen sammelt um es dann mit lauter Stimme wieder zu verkünden.

Mercedes Sosa starb um viertel nach fünf am, 4. Oktober 2009, in Buenos Aires im Alter von 74 Jahren. Kurz zuvor war sie wegen Leberproblemen in das Krankenhaus Sanatorio de de la Trinidad eingeliefert worden.

Die Worte der engen Freundin Teresa Parodi beschreiben vielleicht die Stimmung vieler Menschen in Argentinien am besten:

"…Mercedes, salmo en los labios
amorosa madre amada

mujer de América herida
tu canción nos pone alas y hace que la patria toda
menudita y desolada no se muera todavía,
no se muera porque siempre cantarás en nuestras almas…”

(Mercedes, Psalmen auf deinen Lippen,
liebevolle geliebte Mutter,
Frau aus dem verletzten Amerika,
dein Gesang beflügelt uns und bewirkt, dass unser
tolles und trostloses Vaterland noch nicht stirbt -
noch nicht stirbt, weil du immer in unseren Seelen singen wirst.)

 

Quellen:

Víctor Pintos: Mercedes Sosa "La Negra" (1999); Alvaro Godoy: Biografía (2002); Página/12 vom 4.10.09

 

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