María Elena Walsh

Schriftstellerin, Poetin, Musikerin, Sängerin: María Elena Walsh ist nicht nur die bekannteste Kinderbuch- und Kinderliederautorin Argentiniens. Ihre Lieder prägten und prägen immer noch Argentinien bis heute. Sie gehören zum Kulturgut und sind, zumindest im spanischen Sprachraum, auch außerhalb Argentiniens bekannt. Sie erfand Persönlichkeiten wie „Manuelita la Tortuga“ (die Schildkröte Manuelita), ihre Melodien wurden von Interpreten wie Mercedes Sosa („Como la cigarra“, „Serenata para la tierra“) und Joan Manuel Serrat aufgegriffen. Ihre Bedeutung als Schriftstellerin geht weit über ihre Arbeiten für Kinder hinaus.

María Elena Walsh kam am 1. Februar 1930 in Ramos Mejía, einem Vorort von Buenos Aires  in der Provinz Buenos Aires, auf die Welt. Ihr Vater war ein englischer Eisenbahner, der Klavier spielte und Lieder seiner Heimat sang. Ihr Mutter war Argentinierin andalusischer Herkunft und Naturliebhaberin.

Kindheit und Jugend: kleine Freiheiten

María Elena Walsh wuchs in einem großen Haus auf, mit Patios, Hühnerstall, Rosengarten, Katzen, Zitronen- und Organgenbäumen und einem Feigenbaum. Dort genoss sie eine größere Freiheiten im Vergleich mit der traditionellen Erziehung der Mittelklasse. Als Jugendliche war sie gleichzeitig schüchtern und rebellisch, las viel und veröffentlichte ihr erstes Gedicht mit 15 Jahren in der legendären Zeitschrift „El Hogar“. Kurz danach schrieb sie für die Literaturbeilage der  Tageszeitung „La Nación“.

Ein Jahr bevor sie ihr Studium an der Nationalen Hochschule der Schönen Künste abschloss, veröffentlichte sie 1947 mit 17 ihr erstes Buch „Otoño imperdonable“, das von den wichtigsten spanischsprachigen Schriftstellern gelobt wurde. Von da an änderte sich ihr Leben; sie begann literarische und universitäre Zirkel zu besuchen und Essays zu schreiben. 1949 reiste sie in die Vereinigten Staaten, eingeladen von Juan Ramón Jiménez.

Selbstgewähltes Exil, die ersten Kinderlieder

In den 1950er Jahren veröffentlichte sie „Baladas con Angel“ und ging 1952 für 4 Jahre zusammen mit Leda Valladares nach Paris ins selbstgewählte Exil. Gemeinsam bildeten sie das Duo „Leda und María“: Sie traten in verschiedenen Städten Europas auf, machten die Folklore Argentiniens erfolgreich bekannt und nahmen unter anderem die Platte „Le Chant du Monde“ auf. Und sie begann, für Kinder zu schreiben. Ihre Lieder und Texte für Kinder verknüpften das Lehrhafte mit der Tradition.

Bis 1978 gab sie auch Solokonzerte für Erwachsene, die sie auf internationale Tourneen führten. 1960 veröffentlichte sie ihr erstes Kinderbuch „Tutú Marambá“. 1962 führte sie im Teatro San Martín die Musikkomödie für Kinder „Canciones para mirar“ auf, im folgenden Jahr „Doña Disparate y Bambuco“. In den 1960er Jahren veröffentlichte sie unter anderem die Bücher „El reino del revés“, „Cuentos de Gulubú“, „Hecho a mano“ und „Juguemos en el mundo“. In den 1970ern kehrte sie nach Argentnien zurück. 1971 drehte María Herminia Avellaneda den Film „Juguemos en el mundo“, den Walsh schrieb, produzierte und in dem sie selbst mitspielte. Auch schrieb sie Drehbücher fürs Fernsehen und die Bücher „Tutú Maramba“, Canciones para mirar“, „Zoo Loco“, Dailan Kifki“ und mit „Novios de Antaño“, ihren ersten Roman für Erwachsene. Sie ist Autorin des Leitmotivs und der Lieder von „La historia oficial“ von Luis Puenzo, der als erster argentinischer Film den Oscar für den besten ausländischen Film gewann. Genauso inspirierte ihre Figur „Manuelita“ den gleichnamigen erfolgreichen Film von García Ferré.

 

María Elena Walsh

Gegnerin der Militärdiktatur

Walsh war eine entschiedene Gegnerin der Militärdiktatur (1976-1983). Ihr Lied "Oración a la justicia" (Gebet für Gerechtigkeit) wurde eine Hymne der Bürgerrechtsbewegung. In einem offenen Brief kritisierte sie die Zensur durch das Regime, indem sie ihr Land mit einem Kindergarten verglich und es als "Desventuras en el Pais-Jardin-de-Infantes" bezeichnete (Unglücke im Kindergarten-Land). Ihr Werk enthielt oft eine politische Botschaft, etwas in dem Lied "El país del nomeacuerdo" (Das Land des Ich-erinnere-mich), das später die Titelmelodie des Films "La historia oficial" wurde, dem Gewinner des Auslands-Oskar 1985.

1985 wurde sie Ehrenbürgerin der Stadt Buenos Aires, 1990 Honorarprofessorin der Naitonaluniversität von Cordoba und Ehrenbürgerin der Provinz Buenos Aires. 1994 erschien die Gesamtausgabe ihrer Lieder für Kinder und Erwachsene und 1997 „Manuelita, dónde vas?“. Im Jahr 2008 erschien „Fantasmas en el parque“, ein Werk für Erwachsene, das zwischen Roman, Memoiren und Fiktion einzuordnen ist.

María Elena Walsh ist eine echte Minnesängerin unserer Zeit, wenn sie ihre Lieder singt, aber auch wenn sie unterschwellig verschiedene soziale Probleme anklagt. Ihre Rebellentum, ihre Enttäuschungen, ihren Widerstand, ihre Liebe zur Natur und den Kindern spiegeln sich in zahlreichen Gedichten, Romanen, Erzählungen, Liedern, Essays und Zeitungsartikel bis heute wider.

Sie starb am 10. Januar 2011 in Buenos Aires.



Quellen:
mariaelenawalsh.com, literatura.org, librosalfaguarainfantil.com, "María Elena Walsh", de Alicia Dujovne, 1982.
Fotos: oben: Sara Facio (1980er); rechts: "Pepe" Fernández (1971).

 

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