El Gaucho

Das Land der Gauchos, der Gaucho-Staat, die Gauchos auf der Fußballweltmeisterschaft: Der Gaucho ist das Sinnbild Argentiniens. Es trifft genauso ins Schwarze, wie die Vorstellung, dass die Deutschen ständig schuhplatteln, jodeln und in Lederhosen herumlaufen. Doch in jedem Klischee steckt ein Funken Wahrheit.

Der Mythos Gaucho spielt nach wie vor eine Rolle für das Selbstverständnis Argentiniens. Manche beschreiben ihn als Faulenzer und Bandit, andere übertreiben seine Tugenden und preisen sein freies, ungebundenes Leben. Auf jeden Fall war er das Ergebnis der Umwelt und der Epoche, in der er seine Blütezeit erlebte.

Der Mythos

Der Gaucho hat seinen Ursprung in der Konfrontation zweier Kulturen, die Argentinien bis heute prägen: der europäischen Kultur und der Kultur der ursprünglichen Einwohner des Landes. Die Bezeichnung "Gaucho" wird auf das Wort "huacho" der Indiosprachen Quechua und Mapuche zurückgeführt, was soviel wie "Waise" und "Vagabund" bedeutet. Die spanischen Kolonisatoren bezeichneten Vagabunden als "gauchos" und Waise als "guachos".

Einer anderen Hypothese zufolge begannen Nachfahren der Spanier (criollos) und Mestizen das spanische Wort "chaucho" als "gaucho" auszusprechen. "Chaucho" wiederum leitete sich vom arabischen "chaouch" ab, dem Tiertreiber.

Die ersten Gauchos waren vielleicht Menschen, die sich von den Fesseln ihrer Herkunft befreiten und in die Einsamkeit der großen Pampas auswanderten. Hier gab es Wasser und zarte Gräser für das Vieh. Mit der Zeit verfestigte sich das Bild des freien Gauchos, der mit seinem Pferd ein Nomadenleben führt, der im Freien auf seiner Matte schläft, wenn die Nacht ihn auf der weiten Ebene überrascht. Der Gaucho wurde respektiert, er hielt Wort und war auch für seine Solidarität und seine Gunstbezeugung (gauchadas) bekannt.

Gaucho
Gaucho argentino, 1868; Courret Hermanos Fotogs., Lima, Peru. (Wikipedia)

Geschichte des Gaucho

Die Anfänge

Um 1600 herum erschienen im Norden und Nordwesten Argentiniens die "gauderios" oder "changadores" - wahrscheinlich die ersten Gauchos. Gauderios waren Landarbeiter aus dem brasilianischen Rio Grande do Sud auf Wanderschaft Das Wort "gauderío" schaffte den Sprung an den Río de la Plata und diente als Bezeichnung der eigenen Landarbeiter. Nach einer anderen Hypothese stammten Gauchos von spanischen Nachfahren, Mestizen oder Indios ab, aber auch von Nachfahren europäischer Einwanderer, Schwarze oder Mulatten, die den Lebensstil der Gauchos annahmen.

Das Erscheinen der Gauchos ist eng mit der Geschichte der so genannten "Cimarrón"-Rinder verbunden. Damals gab es in der Weite der Pampa tausende verwildeter Rinder, die man als cimarrones bezeichnete. Landbesitzer erhielten die Erlaubnis, die wilden Rinder in "vaquerìas" zu fangen und zu schlachten. Dort arbeiteten die Gauchos. Um das wilde Vieh zu suchen, durchforsteten sie die unbewohnte Pampa. Ihren Lebensunterhalt verdienten sie sich mit kleinen Geschäften mit Leder und Talg - damals fast die einzigen Reichtümer des Landes. Zum Einfangen der Rinder setzten sie eine Stange mit einem halbmondförmig angebrachten Draht ein, außerdem auch "boleadoras": Drei Steine, die mit einer Schnur zusammengebunden waren und sich in den Beinen des Viehs verfingen. Ihr weiteres Handwerkszeug: das Gaucho-Messer "facón", das Lasso und die richtige Methode, das beste Fleisch der Welt zu pökeln.

Im 17. Jahrhundert wanderte der Gaucho mit seinen Lassos und Messern von Viehfarm zu Viehfarm. Kleidung und Pferd als waren die einzigen Besitztümer, Familie und Freunde der Ladenkneipe (pulpería) die einzige Gesellschaft. Sein einfaches Haus baut er aus Lehm und er bedeckte die Tür mit Leder. Wurde ein Rind geschlachtet, nahm er sich nur etwas Fleisch und Leder, um sich Stiefel zu schustern. So lebte der Gaucho bis zu Beginn des 18. Jahrhunderts der Bestand an Cimarrón-Vieh soweit dezimiert war, dass "vaquerías" verboten wurden.

Gauchos argentinos
Gauchos Ende 19. Jh., Kleidung vor 1853 (Wikipedia)

Zeit des Wandels

Als Buenos Aires gegründet wurde, hießen die weit von der Stadt entfernten Landstriche "estancias". Diese dehnten sich während des Vizekönigreichs in das Landesinnere aus, bis in Regionen, die kurz zuvor von Indios beherrscht wurden. Behörden unterstützten diese Entwicklung, damit der Viehbestand nicht weiter durch "vaquerías" gefährdet wurde. Die Eigentümer kümmerten sich nicht selbst um die Estancias, sondern beauftragten Verwalter und Aufseher. Gauchos und Sklaven lebten in armen Hütten und arbeiteten auf dem Land, aus den ursprünglich wilden Rindern wurde das Vieh der Estancia.

Es gab immer mehr Estancias und der Gaucho begann, sein Nomadenleben aufzugeben. Seine Fähigkeiten waren gefragt: das Vieh zu treiben, kastrieren und das Landgut einzuzäunen. Dennoch: Hatte er das Geld für seine "Sünden" (Yerba oder Tabak) beisammen, kehrte er in sein freies Leben als "anständiger Reiter der weiten Ebenen" zurück. Dies fiel aber immer schwerer. Die Estancias investierten bereits in den ersten Jahrzehnten des 19. Jahrhunderts in Einrichtung und Personal, da der Export von Leder und die Verwertung des Rindfleischs zunahm. Gleichzeitig begann der Anbau von Feldfrüchten und die Rinderzucht mit importierten Tieren. Der Gaucho passte sich and die neue Situation an: Er gibt das Rodeo auf und versorgt die Estancia.

Unabhängigkeitskriege

Als das Land nach dem 25. Mai 1810 gegen Spanien kämpfte, reihten sich die Gauchos in die patriotischen Reihen ein. Seine Verwegenheit, seine reiterische Fähigkeit und die Kenntnisse des Landes prädestinierten den Gaucho zu einem hervorragenden Soldaten. Er leitete Streitkräfte und kämpfte unter der Führung von Belgrano im "Alto Perú" oder mit San Martín in Chacabuco und Maipú. Im Norden verteidigten Gauchos ("Gauchos de Güemes") die Grenzen des neuen Landes.

Der Gaucho und die Caudillos

Später nahmen Gauchos an der Seite der Caudillos an den Bürgerkriegen teil. Zum einen sah der Gaucho den Caudillo als einen Menschen mit ähnlichen Vorstellungen und Gewohnheiten an. Zum anderen fühlten sie sich vor einem Gesetz aus dem Jahr 1815 geschützt, dem zufolge jeder Besitzlose als Diener und jeder Diener ohne Arbeitsvertrag als faul erklärt wurde. Viele Gauchos wurden so an den Rand der Gesellschaft gedrängt. Vor die Wahl gestellt, entschieden sich viele für die Reihen der Caudillos statt für ein armseliges Leben bei den Indios.

Der Föderalismus entzweite die Gauchos. Manche bezogen für Rosas Stellung, andere schlossen sich den unitarischen Truppen an. Auch im Westen, in den Provinzen des Cuyo und in La Rioja, konnten Caudillos wie Chacho Peñaloza und Felipe Varela auf die Unterstützung der Gauchos bauen.

Der Gaucho verschwindet

Vor dem Hintergrund dieser Veränderungen wurde nach 1850 nach und nach aus dem Gaucho ein Landmann. Die Ländereien wurden eingezäunt und die Eigentümer der Rinderherden stellten sich gegen die Gauchos, die fremde Tiere töteten. Viele Gauchos fühlten sich gezwungen Wege zu benutzen, die die Grenzen der Felder markierten - bedroht, ergriffen und eingesperrt oder zur Miliz verpflichtet zu werden, wenn sie keine Arbeitserlaubnis vorweisen konnten.

Dazu kam die Immigration tausender Landarbeiter. Sie sicherten sich Land, passten sich besser an die Arbeit mit dem Boden an und verdrängten den Gaucho. Dieser musste sich entscheiden: Einige akzeptierten es nicht, ihren Lebensstil ohne Kompromisse zu verlieren, andere blieben in den Estancias und arbeiteten als Landarbeiter.

Fiesta gauchezca, Salta

Das Outfit

Stiefel aus Fohlenleder und Sporne aus Silber oder Eisen waren typisch für die Gauchos Argentiniens. Dazu kommen die Pumphosen (bombachas), Sombrero oder Mütze (boina) und Halstuch; das Gaucho-Messer (facón) ist am Gürtel befestigt. Gauchos arbeiten nicht nur in Estancias der Pampa, sondern auch im argentinischen Mesopotamien und im Nordosten des Landes. Dort  sind sie mit weißen Socken, dem Chiripá - eine Art Hosenrock -, Poncho und Sombrero ausgestattet.

Er fühlt den Stolz zu wissen, wer er ist

"El Gaucho tiene sólidos principios. Confía en la palabra dada y es fiel a la amistad. Nunca es desertor de su condición. Es austero. Tiene concepto definido entre superior y subordinado. Cultiva sin alardes el patriotismo. Es ajeno al sectarismo político. Participa de las creaciones de la estética en sus artesanías, que aplica a su platería, en los tejidos, en los trenzados en cueros y trabajos en "aspa" y hueso. Maneja el idioma con propiedad y estilo en su lenguaje habitual, en sus relatos y en sus cuentos de fogón.

Es poeta y músico; autor, intérprete y bailarín. Respeta a la mujer; es sobrio y firme en el amor. Pero, por sobre todo, tiene y practica un código de honor y una conducta de vida a la que no concibe sin Libertad. Y tiene algo que es propio de los seres de excepción: un estilo para moverse que implica estética, educación y respeto. Siente el orgullo de ser quien es." (Juan José Güiraldes, "Amalgama de Tierra y Hombre")

 

Quellen: Raíces de mi Tierra Litoral - Subsecretaría de Cultura de la Pcia de Sta Fe, en coordinación con el Ministerio de Educación y Cultura. Año 1992; www.folkloredelnorte.com.ar; www.confederaciongaucha.com.ar

 

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