Diana García Simon (Hrsg.): Einen Tango, bitte!

D. García Simon: Einen Tango, bitte!Der Tango ist „ein trauriger Gedanke, den man tanzen kann“ schrieb einst ein argentinischer Dichter. In den Vororten und Slums von Buenos Aires und Montevideo wurde der Tango um 1880 geboren. Er lebt von der Sehnsucht und den Enttäuschungen der Liebe. Der Mann in  der Rolle des Betrogenen, die Frau als schamlose und untreue Verführerin – die zeitgenössische Literatur Argentiniens hat aus dieser fast sakralen Thematik ein wenig mehr gemacht.

Milongaseligkeit und berühmte Tangotänzer, einstmals Lieblinge der Frauen, jetzt ein wenig abgehalftert , messerstechende Compadritos und verliebte Zuhälter- die argentinische Literatur bedient sich der populäre Stoffe der Tangoballaden und singt sie neu. Wer hier der Tango tanzt, erfährt, wie Gewalt und Zärtlichkeit, Humor und Entsetzen in selben Raum mit exotischen Messerstechern und anderen Vorstadthelden wohnen. Geschichten und Gedichte über der argentinischen Tango von Julio Cortázar, Alicia Dujovne Ortiz, Diana Garcia Simon, Juan Carlos Martini, Juan Gelman und anderen. Einige Texte liegen erstmals in deutscher Übersetzung vor.

 

Fischer, 2002
251 Seiten
ISBN-10: 3596155452
ISBN-13: 978-3596155453

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Klaus Küpper, Bücher zu Lateinamerika:

Selbstverständlich dürfen da die berühmten Prosatexte “Der Mann von Esquina Rosada” und “Die Geschichte des Rosendo Juárez” von Borges ebensowenig fehlen wie bisher unübersetzte literarische Texte von jüngeren argentinischen Autoren. Da wird es vielleicht manchen hiesigen Tango-Seligen etwas mulmig werden, wenn sie in der Erzählung von Julio Cortázar die Beschreibung der “Monstren” lesen, die die Tanzsäle bevölkern: “die Frauen fast Zwerge und von gelbrötlicher Gesichtsfarbe”, “die Macker … in engsitzenden karierten oder schwarzen Anzügen, das kräftige Haar mit viel Fleiß gebändigt.” Und sie werden möglicherweise erschrecken vor den Zuhältern, Messerstechern und Vorstadthuren. Aber sie finden in diesen, scheinbar alle Tango-Klischees bedienenden Geschichten auch Carlos Gardel, der seine Auferstehung wunderbarerweise in dem Romanauszug von Martini feiert. Und all diese Geschichten (und die Gedichte von Gelman) von der großen Sehnsucht und dem kleinem Glück aber enden schließlich im nicht versiegen wollenden Tränenstrom der Iria und damit auch in einem befreienden Lachen aus der herrlichen Tango-Parodie von Blaisten. Der kleine, empfehlenswerte Band ist eine wohltuende Ausnahme in der Flut von Veröffentlichungen über das Thema.

 

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