Fotografie

Horacio Coppola
H. Coppola

Von den Anfängen bis Mitte des 20. Jahrhunderts

Kurz nach ihrer Erfindung erreichte die Fotografie Argentinien in der Mitte des 19. Jahrhunderts, trat jedoch erst später als künstlerische Ausdrucksform in Erscheinung.

Ein bekannter Fotograf zur Jahrhundhertwende war Alejandro S. Witcomb. Seine für die Zeit typischen Studioporträts gaben von einer wohlhabenden Elite Zeugnis. Horacio Coppola, 1906 in Buenos Aires geboren, veröffentlichte neben Büchern, die auf Reisen durch Europa entstanden, auch einige über seine Heimatstadt. Coppola war der erste Präsident des Fotoclubs von Buenos Aires.

1935 wanderte die jüdische Fotografin Grete Stern aus Berlin nach Argentinien aus. Sie beeinflusste die Fotografie in Argentinien stark und wurde vor allem durch Fotomontagen bekannt mit der sie eine Reihe von Artikeln über die Psychoanalyse und Träume illustrierte. Stern war auch eine ausgezeichnete Porträtfotografin, z. B. von Bert Brecht und Jorge Luis Borges, und sie dokumentierte Städte und Regionen Argentiniens.

Die jüngere Geschichte

Die Fotografie Argentiniens der jüngeren Geschichte wurde stark von den politischen Geschehnissen geprägt. Einen Schwerpunkt bildet die Dokumentar-Fotografie, insbesondere in Zusammenhang mit dem Schicksal der "Desaparecidos", der in der Zeit der Militärdiktatur Verfolgten und Verschwundenden. Viele Arbeiten zeichnen sich durch ihre Aussagen und Ziele aus, nicht nur durch den historischen Kontext.

Von der Tradition der Porträtfotografie zeugt das Werk von Annemarie Heinrich (geb. 1912) mit ihren Bildern von Eva Perón und anderen Persönlichkeiten sowie Sara Facio (geb. 1932). Facio war Assistentin von Heinrich und arbeitete von 1960 bis 1985 mit Alicia D'Amico zusammen. Gemeinsam mit María Cristina Orive gründete sie die lateinamerikanische Fotoagentur "La Azotea" und half beim Aufbau des ersten nationalen Fotoausstellung für das Nationalmuseum der schönen Künste.

Alicia D'Amico (geb. 1933-) ist bekannt für ihre Porträts von Persönlichkeiten wie Pablo Neruda, Julio Cortázar und Jorge Luis Borges. Sie ist eine wichtige Dozentin und Kuratorin für Fotografie.

Zeitgenössische Fotografie

Durch Ausstellungen und das Internet hat die Nachkriegsgeneration argentinischer Fotografen ihre Werke einem breiteren Publikum zugänglich gemacht. So veröffentlicht "Zone Zero", die Website von Pedro Meyer, aufregende Fotografien aus Lateinamerika.

In Argentinien sorgte vor allem die Show "Mirando al Sur - fotografía argentina al fin del milenio" (Nach Süden sehen - argentinische Fotografie am Ende des Jahrtausends) für Aufsehen. 12 Fotografen, alle von den 50 vorangegangenen Jahren geprägt, transportierten ihre Erinnerung in die Zukunft.

Es gibt viele beeindruckende Fotografen, aber einige stechen besonders heraus:

Adriana Lestido (1955-) - bekanntestes Werk ist ein Essay über Frauen im Gefängnis mit ihren Kindern, die sie ein Jahr lang besuchte.

M. Brodsky

Marcelo Brodsky (1956-) fing erst im Alter von 40 Jahren im spanischen Exil zu fotografieren an. Er beschäftigte sich u. a. mit den "Desaparecidos" (Verschwundenen) - zu denen auch sein Bruder und einer seiner besten Freunde zählten - und wie sich das Verschwinden auf die Übriggebliebenen auswirkte.

Alessandra Sanguinetti (1968-) beschäftigte sich in der Serie "Dulces Expectativas" (Süße Erwartungen) mit Kindern vor der Pubertät - Schwarzweißbilder, die gerade durch ihr quadratisches Format einen ganz eigenen Eindruck hinterlassen. 1999 lieferte sie einen Beitrag zum Projekt "Dream Lives" in Erinnerung an den 100. Geburtstag von Freuds Traumlehre.

Martin Weber (1968-) wurde in Chile geboren, lebt jedoch in Buenos Aires. Seine "Lateinamerikanische Traumkarte" erhielt ein Stipendium der Guggenheim-Stiftung (1998) und der Hasselblad-Stiftung (1999). In seinem Beitrag zu "Dream Lives" schreiben Menschen auf eine Schiefertafel, wovon sie träumen.

M. López

Marcos López (1958-) studierte Fotografie in Cuba. Manche seiner Farbbilder erscheinen surreal, erinnern an Collagen von Grete Stern. In "La Argentina Pop" parodiert er die Reichen und Berühmten mit einer der TV-Werbung entlehnten ironischen Bildsprache.

Gabriel Valansi (1956) ist Kritiker, Fotograf, Filmemacher und Lehrer. Seine Bilder in "Buenos Aires de Noche" (Buenos Aires bei Nacht) richten den Blick auf die Verwahrlosung und den Zerfall der Stadt und extrahieren daraus eine mysteriöse und surreale Qualität.

Helen Zout (1957-) ist eine Fotojournalistin, die 1989 mit einer Serie über Kinder mit AIDS zu fotografieren begann: Schöne Bilder, obwohl man sich wünschen würde, dass die Wirklichkeit, die sie zeigen, niemals existiert hätte.

Pablo Cabado - 1989 zeichnete ihn das Internationale Zentrum für Fotografie in New York als "Young Photographer of the Year" aus. Seine Bilder aus Kuba (Illustratives. Cuba in the 90s) geben einen subjektiven und visuell sehr aufregenden Einblick in das Land. Seine Schwarzweißfotografie gehört derzeit zum Besten, das es gibt.

Weitere erwähnenswerte Fotografen sind Osvaldo Ancarola, Cayetano Archidiacono, David Beniluz, Bibi Calderaro, Becquer Casaballe, Gabriel Díaz, Cristina Fraire, Pablo Garber, Eduardo Gil, Diego Goldeberg, Fernando Gutiérrez, Eduardo Longoni, Paula Luttringer, Alejandro Montes De Oca, Liliana Parra, Jorge Sáenz, Juan Travnik and Marcos Zimmermann.

Quelle:

Peter Marshall, www.photography.about.com

 

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A. Sanguinetti