El Diego

Rückblick

1997. Im Jahr seines Rücktrittes vom Profifußball findet ein Spiel der Nationalmannschaft in Maradonas Heimatstadion im Stadtteil La Boca statt. Die Fans singen sich warm, die Stimmung steigt. Plötzlich kehrt für den Bruchteil einer Sekunde Totenstille ein, andächtige Stille. Dann röhrt es aus tausenden von Kehlen: "Maradooooo, Maradoooo, Maradooooo". Die Haare am Körper stellen sich auf, Gänsehaut breitet sich aus. Ein kleiner, fetter Mann ist auf einer Privatloge zu erkennen, händewinkend: Maradona ist in der Arena erschienen. Der Held. Der Gott. Für immer und ewig werden sie dem Spieler mit der Nummer 10 die Treue schwören.

Der Goldjunge

Geboren wurde Diego Armando Maradona am 30. Oktober 1960 um 7 Uhr morgens in ärmlichen Verhältnissen im Umland von Buenos Aires als fünftes Kind von Diego Maradona und seiner Ehefrau Dalma Salvadora Franco.

Er fing mit neun Jahren an in der jüngsten Mannschaft der Argentinos Juniors Fußball zu spielen, den "Cebollitos" oder "Zwiebelchen", die fortan 136 Spiele lang ungeschlagen blieben. Die Leute verpassten ihm daraufhin den Spitznamen "Pibe de oro" (Goldjunge). Sechs Jahre später spielte er mit 16 Jahren 1976 bereits das erste Mal in der ersten Division im Profiteam der Argentinos Juniors. Und vier Monate später landete er in der Nationalmannschaft. Dennoch ließ in 1978 der argentinische Nationaltrainier Menotti nicht an der Weltmeisterschaft teilnehmen, da er ihn dafür zu jung befand. 1979 zeigte es Maradona dem Trainer und gewann den Jugend-Weltcup, wo er auch zum besten Spieler des Turniers gewählt wurde.

Aufstieg: der Erbe Pelés?

Es ging aufwärts mit Maradona. 1981 spielte er für Boca Juniors, einen der renommiertesten argentinische Clubs. 1982 nahm er an der Fußballweltmeisterschaft in Spanien teil. Er spielte dort zwar insgesamt zwar recht gut, patzte jedoch in den entscheidenden Spielen gegen Brasilien und Italien und wurde wegen eines Fouls des Platzes verwiesen.

Im selben Jahr wechselte Diego für eine Rekordsumme nach Spanien zum FC Barcelona, spielte aber dort unfall- und krankheitsbedingt nur wenig. 1984 ging er nach Neapel, wieder als teuerster Spieler der Welt. Dort blieb Maradona sieben Jahre und gewann mit dem SSC Neapel zwei italienische Meisterschaften, einen nationalen Pokal, einen Uefa-Cup und einen italienischen Super-Cup. Wie in Argentinien begegneten ihm die Neapolitaner mit Zuneigung und Liebe und verehrten ihn wie einen Gott.

Mexiko 1986 - Höhepunkt der Karriere

In Mexiko spielte Maradona seine zweite Fußballweltmeisterschaft. Er kam, sah und siegte! Diego, in perfekter körperlicher Verfassung, schoss die argentinische Nationalmannschaft zum Sieg: 5 eigene Tore, 5 vorbereitete Tore, bester Spieler des Turniers. Im Viertelfinale gegen England schoss er das Tor, das als "Die Hand Gottes" bezeichnet wird und ein weiteres Tor, das manche als das schönste Tor der Fußballgeschichte ansehen.

Nach seiner Leistung bei der WM und dem goldenen Jahr in der italienischen Liga wurde Maradona als einer der besten Fußballspieler der Welt betrachtet, wenn nicht als der beste.

Nach der WM 1990: Abstieg auf Raten

Wieder erreichten Argentinien und Diego Maradona das Endspiel der Weltmeisterschaft von Italien, und wieder gegen Deutschland. Doch diesmal gewann Deutschland durch einen Elfmeter von Andreas Brehme. Maradona, auf der WM durch eine durch eine Knöchelverletzung gehandicapt, bezichtigte die "Mafia" und vermutete ein Komplott.

Als er nach sieben Jahren Neapel verlassen wollte, ließ ihn der damalige Präsident des SSC Neapel, Ferlaino, nicht ziehen. Maradona war es leid, sich weiterhin dem Druck und den vielen Journlisten auszusetzen. Im März 1991 wurde Maradona bei einer Doping-Kontrolle positiv gestestet und für 15 Monate disqualifiziert. 1992 spielte er für den FC Sevilla, 1993 kehrte er nach Argentinien kurzzeitig zum Club "Newell`s Old Boys" zurück. 1994 spielte er bei der Weltmeisterschaft in den USA, wurde aber bereits nach zwei Spielen wegen des Gebrauchs des Aufputschmittels Ephedrin vom Turnier ausgeschlossen.

1994 und 1995 folgten zwei kurze Erfahrungen als Trainer bei "Deportivo Maniyú" und "Racing", bevor er sich entschied wieder für Boca Juniors selbst zu spielen - was die Fans mit einem großartigen Fest in der "Bombonera", dem Stadion von Boca Juniors feierten.

Nach zwanzig Jahren Fußballzauber trat Diego Armando Maradona am 30. Oktober 1997, seinem 37. Geburtstag, vom Fußball zurück. Wenige Monate zuvor war er erneut bei einer Doping-Kontrolle positiv getestet worden.

Maradona: erst abgeschrieben - dann kehrt die Legende zurück

Diego Armando Maradona spielt zwar kein Fußball mehr, sein Leben hat aber in den letzten Jahren eine erstaunliche Wende vollzogen. Nach einem langen, qualvollen Abstieg, geprägt von Kokainexzessen und gesundheitlichen Zusammenbrüchen ging es wieder aufwärts. Ein langer Klinikaufenthalt in Kuba brachte die Wende.

Gestärkt, sein Magen gegen die Fettsucht verkleinert, trat er wieder in die Öffentlichkeit. Im Jahr 2000 wurde er zum Fußballer des Jahrhunderts gewählt. 2005 moderierte er gar - allerdings wenig erfolgreich - eine Show "Die Nacht der Nummer 10". Und in Deutschland wird Maradona selbstverständlich auch dabeisein.

Und schließlich: Im Oktober 2008 wird Maradona zum Nationaltrainer der Selección berufen und löste damit den glücklosen Alfio Basile ab. Diese Entscheidung des Verbandspräsidenten Grondona ist durchaus umstritten. Die Mehrheit der Argentinier lehnt Maradona - trotz aller Verehrung des Fußballhelden - als Nationaltrainer ab. 

 

Auf YouTube: Diego Maradona - The Best of El Pibe de Oro

 

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