Cristina Fernández de Kirchner

"Ein bisschen Hillary", "Die neue Evita": Die neue Präsidentin Argentiniens bietet viel Platz für Interpretation. Wann kommt es schon vor, dass eine Frau in einem männlich dominierten Land wie Argentinien souverän in das höchste Amt gewählt wird? Sicher ist: Die gelernte Rechtsanwältin Cristina Fernández stand in den letzten Jahren im Schatten ihres Ehemanns Néstor Kirchner. Doch wahr ist auch, dass sie bei ihrem Amtsantritt am 10. Dezember 2007 mindestens die gleiche politische Erfahrung mitbrachte als Kirchner es seinerzeit tat.

Seit 1989 ist sie im politischen Gechäft, zunächst als Abgeordnete in ihrer Heimatprovinz Santa Cruz, dann als Senatorin und Abgeordnete im Nationalkongress. 2005 wurde sie zur Senatorin der bevölkerungsreichen Provinz Buenos Aires gewählt.

Cristina und das "Projekt K"

Ihren Aufstieg verdankt sie letztlich aber der spezifischen politischen Kultur und Gemengelage Argentiniens der letzten Jahre. Ihrem Ehemann, den sie an der Universität von La Plata kennenlernte und 1975 heiratete, fiel 2003 das Präsidentenamt in einer Zeit wirtschaftlicher und sozialer Schwierigkeiten zu. Er verschaffte mit seinem Küchenkabinett und einer zwar demokratiefernen, aber erfolgreichen Dekret-Politik Argentinien einen Aufschwung - und Ansehen.

Cristina Fernández gilt in den Augen vieler Argentinier als Garantie, dass das "proyecto K" weitergeführt wird. Darüber hinaus gibt es kaum andere ernstzunehmende Größen in der Politik, weder bei den Peronisten, noch bei den anderen Parteien: zerstritten in Flügelkämpfen, atomisiert. Und wenn, dann werden sie einverleibt in die den Kirchners eigene politische Strömung - Partei? Bewegung? Gruppierung? - "Front für den Sieg" (Frente para la Victoria) oder kurz FV.

Cristina Fernández wurde am 19. Februar 1953 in der Hauptstadt der Provinz Buenos Aires, La Plata, geboren. Wenige Monate dem Militärputsch zogen sich die Kirchners im Juli 1976 nach Río Gallegos in der Provinz Santa Cruz zurück. In der Stadt aus der Néstor Kirchner stammte, gingen sie ihrer Tätigkeit als Anwälte nach. Sie haben zwei Kinder, Máximo und Florencia.

Schwieriges Erbe

Cristina, Cristina - als ob sie ihre beste Freundin sei, sprechen die Menschen in Argentinien Cristina Fernández nur mit ihrem Vornamen an. Das darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass die neue Präsidentin im persönlichen Umgang eher kühl und herablassend wirkt.

Mit dem Einzug der "Presidenta" Cristina Fernández in die Casa Rosada, genau genommen muss sie nicht einmal einziehen, wird sich wohl der Stil ändern, aber nichts an den Inhalten der Politik. Die First Lady liebt Glanz und Glamour und spricht von Zusammenarbeit (Concertación), ganz im Gegensatz zu ihrem zwar leisen, aber konfrontativ agierenden Mann. Trotz aller Erfolge hat Kirchner ihr ein schwieriges Erbe hinterlassen: eine galoppierende Inflation, das Problem der Gewaltkriminalität, die Korruption, und nicht zuletzt die Armut.

Übrigens: Cristina Fernández bezeichnete bei der Amtseinführung Deutschland als ihr "Vorbild". Was immer das bedeuten mag.

Auf dem Höhepunkt der Macht - auch ohne Néstor

Nach 2003 gelang es Néstor Kirchner und Cristina Fernández den nach der Staatsbankrott im Jahr 2001 diskreditierten Neoliberalismus durch einen ökonomisch stärkeren Staat abzulösen. Cristina erhöhte die Renten und den Mindestlohn, was zu ihrer großen Beliebtheit gerade in der armen Bevölkerung Argentiniens beitrug.

Der Kandidat für die Präsidentenwahl am 24.10.2011 sollte eigentlich wieder Néstor Kirchner heißen, doch sein plötzlicher Tod 2010 brachte die Planungen des Familienbetriebs Kirchner durcheinander. Dafür trat seine trauernde Witwe an, die vielen immer noch als eitle, hochmütige und reiche Frau aus Patagonien gilt. Doch sie wuchs als politische Figur und clevere, geschickte Politikerin.

Bei den Wahlen schließlich triumphierte Cristina Fernández: ein Erdrutschsieg mit fast 54 Prozent der Stimmen. Der Sozialist Hermes Binner, ihr engster Verfolger, erreichte weit abgeschlagen nur 17 Prozent. Somit kann Cristina das Lebenwswerk der Kirchners, das "Projekt K", weiterhin die dominierende politische Kraft.

 

Quellen: Spiegel, Stern, FAZ.NET, amerika21

 

Fotos: Presidencia de la Nació Argentina

 

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Cristina Fernández de Kirchner