Chango Spasiuk: kreativ - virtuos - offen

Ein Leben mit Musik

Chango Spasiuk wurde im September 1968 in Apóstoles, einer kleinen Ortschaft in der Provinz Misiones geboren. In dieser Grenzregion zu Brasilien und Paraguay vermischen sich in einer ganz eigenen Art und Weise unterschiedliche Volksgruppen: die Ureinwohner - die Mbya-Guaraní -, die Kreolen und Siedler, die hier Anfang des 20. Jahrhunderts einwanderten. Zu ihnen zählten auch die vier Großeltern Changos, die aus der Ukraine einwanderten.

Gemeinsam mit seinem Vater, der Violine spielte, trat Chango auf, wo er nur konnte: auf Hochzeiten, Klubs und Jahrmärkten. Es folgten ein Fernsehauttritt und Einladungen zu lokalen Festivals.

Auf dem Weg zum Erfolg

Von seinem Studium der Anthropologie in Buenos Aires bekam er zwar wenig mit, dafür lernte Chango in dieser Zeit die Musik bekannter Interpreten wie Astor Piazzolla, Dino Saluzzi, Hermeto Pascoal und Miles Davis kennen und schätzen. Chango trat auf diversen Festivals in Argentinien auf, den Durchbruch schaffte er dann beim Festival von Cosquín in der Provinz Córdoba, das so etwas ist wie das Mekka der regionalen Folkloregruppen und Liedermacher.

Von da an kannten ihn viele Argentinier, die ihn im Fernsehen gesehen hatten. Chango zog nach Buenos Aires und nahm seine ersten Platten auf: "Chango Spasiuk" und "Contrastes". Jahre später, nach dem Tod seines Vaters, entfernte er sich vorübergehend von seinen musikalischen Ursprüngen und näherte er sich anderen Stilrichtungen an, wie dem Rock der Divididos und Cienfuegos.

Chango Spasiuk Chamamé

Authentischer Grenzgänger

Seine vierte Platte "La Ponzoña" erhielt so gute Kritiken, dass er zum Internationalen Jazzfestival von Montreal eingeladen wurde. Er spielte dort auf der gleichen Bühne wie John McLaughlin und Pat Metheny - wenngleich nicht mit ihnen gemeinsam.

Chango Spasiuk ChamaméVon 1998 bis 2000 zog sich Chango Spasiuk zurück, nach dem ein Freund bei einem Autounfall tödlich verunglückt war. Erst mit der Platte "Polcas de mit tierra" (Polkas meiner Heimat) kehrte er auf die Bühnen zurück. Live in Ortschaften der Provinz Misiones aufgenommen, spiegelt die Aufnahme die Menschen, ihre Feste und Lieder, ihre Freuden, Instrumente und Geschichten wider - und damit die unverwechselbaren Wurzeln der Musiktradition Argentiniens. Mit seinen Tourneen, die ihn durch ganz Europa und Amerika führen, lässt Chango auch andere Menschen daran teilhaben.

Chamamé

Chamamé ist die Musik von Chango Spasiuk und seinem Akkordeon. Sie ist eine Musik, in der sich die Kontraste von Landschaft und Menschen, die Gefühle und Sinne des argentinischen Nordostens widerspiegeln.

"Spasiuk hat die informellen ländlichen Polkas aufgesogen, die innerhalb der Familien gespielt und getanzt werden und die so typisch sind für seine Heimat Misiones. Aber es ist insbesondere der Chamamé, mit dem Spasiuk seine größte kreative und interpretative Virtuosität erreicht. (...) Von einer Position absoluter Offenheit und Vorurteilsfreiheit aus produziert Spasiuk eine reichhaltige Mischung aus Tradition und zeitgemäßen Sounds. Dazu gehören auch Schotis, ländliche Polkas, Rancheras und Rasguidos Dobles. Erbe und Synthese zugleich." (Weltwunder.de)

Einsamkeit der leidenschaftlichen Provokation

In einer seiner neuesten Aufnahmen "Chamamé Crudo" aus dem Jahr 2000 erweist er in "La Camorra" Astor Piazzolla die Referenz. In der Widmung heißt es in Anspielung auf ein gleichnamiges Stück des großen Tangomeisters: "A Astor y la soledad de la provocación apasionada" (Für Astor und die Einsamkeit der leidenschaftlichen Provokation).

Ähnlich wie bei Piazzolla machten sein provozierendes Spiel und die Leidenschaft seiner Musik aus Chango Spasiuk einen der wichtigsten Vertreter der argentinischen Musik. Im Gegensatz zu Piazzolla steht Chango allerdings erst am Anfang ...


Quellen:

www.estaciontierra.com, www.weltwunder.de

 

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