Laura, Lehrerin

Gutierrez: Juan Moreira

Eduardo Gutiérrez, Juan Moreira

Interzona, 156 Seiten, ISBN 987-1180-28-4

Wie bei vielen Romanen, die auf einer wahren Person basieren, fragt man sich, ob dieser Roman einen eigenen Wert besitzt oder nur die Geschichte eines wenig "zivilisierten" Gauchos erzählt, der Politiker bewachte und der Gewalt zum eigenen Nutzen rechtfertigte.

Trotzdem: Bis Ende 1879, als Eduardo Gutiérrez diese gewalttätige Geschichte in einer Zeitschrift in der Art eines Feuilletons  publizierte, gab es in Argentinien keine vergleichbaren Werke, die die unmittelbare Realität in einen Roman einfließen ließen. Vor diesem Hintergrund beginnt man den Verdienst des Autors zu würdigen: Was man liest ist nicht nur eine Folge spannender Missgeschicke eines Mannes, der zum Verbrecher wird, weil er Selbstjustiz übt, sondern auch die Wandlung eines Kriminellen in einen romantischen Helden. Er kämpft gegen die Polizei, die ihn verfolgt, aber auch gegen das Schicksal, das er wählt, um unglücklich zu enden: auf Kosten der Persönlichkeit, aber wir Leser genießen es: die Taktik der Messerstecherei, die Spannung eines einsamen Helden im ungleichen Kampf, erst gegen fünf, später gegen zehn und noch später gegen zwanzig - weil Abenteuer unglaubwürdig sein muss, um unser Interesse zu wecken.

Von zusätzlichem Wert ist, dass Juan Moreira mit diesem Roman ein Motiv heraufbeschwor, das immer wieder gezeigt und erzählt wird; die Persönlichkeit steht für sich: Man muss nicht immer dieselbe Erzählung - das Original - lesen, sondern, wenn man aufpasst, kehrt Juan Moreira in neuen Texten oder Filmen immer wieder zurück.

Rodolfo E. Fogwill: Los pichiciegos

Rodolfo E. Fogwill, Los pichiciegos (Die unterirdische Schlacht)

Viceversa, 2010, 215 Seiten, ISBN-13: 9788492865109

Sein Autor betonte, dass dieser Roman - er wurde im Jahr nach dem Malvinen-Krieg geschrieben, obwohl er 1982 während der Konfrontation spielt - nicht als Antikriegs-Roman geschrieben wurde, sondern "gegen eine blödsinnige Art und Weise über Krieg und Literatur zu denken". Zu dieser "blödsinnigen Art und Weise" zählen Antworten der Gesellschaft, die Fogwill von Anfang an ablehnte, die jedoch die Haltung nachfolgender oder jüngerer Generationen zum Krieg prägen: der triumphierende Nationalismus, die Übertreibung heroischer Gesten der eigenen Streitkräfte.

Deshalb verlegt Fogwill den Roman unter die Erde, macht aus den Protagonisten Tiere und entfernt sich weit weg vom militärischen Epos. Die "pichiciegos", in Wirklichkeit eine in Verstecken lebende Art von Gürteltier, erkennt man als die vom Schlachtfeld Geflohenen und ihre Überlebensstrategien. Sie müssen zwar nicht riskieren, ihr Leben dem Feind auszuliefern, haben es jedoch auch nicht leichter: Hunger, extreme Kälte, Krankheiten und Angst.

Alan Pauls: El pasado

Alan Pauls, El pasado (Die Vergangenheit)

Klett-Cotta, 558 Seiten, ISBN-13: 978-3608937053

Es handelt sich um einen langen Roman und man fragt sich, wenn man zu lesen beginnt, welche wichtigen Themen oder Probleme er beinhalten kann. Und so, wie sich der Roman lesen lässt, wie sich die vielen Seiten rechtfertigen, weil sie interessant sind, so tun sich einige Überraschungen auf.

Die erste ist, dass alles dort beginnt, wo die traditionelle Romanze aufhört: im Moment der Trennung, nachdem das Glück bereits Vergangenheit ist. Die Krise dieses Mannes und dieser Frau, die sich trennen und die alleine bleiben, ist keine Zeit des Leids, sondern der Diskrepanz zwischen dem individuellem Sein und der Wirklichkeit. Die Erzählung verwickelt uns hier alle in eine traumatische Beziehung mit der Vergangenheit, einen unheilvollen Sprung zurück. Das zweite Überraschende passiert, wenn man nichts wesentlich Neues mehr erwartet: Wir entdecken einen Erziehungsroman, einen Roman über die Erziehung des Mannes durch die Frau, in einer Zeit, in der in einer in Auflösung begriffenen, abwesenden und nihilistischen Gesellschaft Erziehung unmöglich zu werden droht.

 

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