Bandoneón: Der Klang des Tango

Bandoneón, ca. 1920

Ursprung im Erzgebirge

Ein Instrument, das dem Akordeon ähnelt, das Instrument des Tango Argentino schlechthin - und das, man höre und staune -, seinen Ursprung in Deutschland hat. Das ist sicher. Es wurde um 1845 im Erzgebirge entwickelt und 1851 auf der Industrieausstellung in London 1851 vom Instrumentenbauer Carl Zimmermann aus dem erzgebirgischen Carlsfeld vorgestellt.

Bald schon ersetzte das Instrument bei Messen, Beerdigungen und Straßenumzügen die teure und schwer zu transportierende Orgel. Man spielte es um den Hals hängend als Begleitung für Tänze.

Heinrich Band, der Namengeber

Namensgeber des Instruments, das weltweit als "Bandoneón" bekannt ist und in Varianten wie Bandunion, Bandonium, Bandonión, Bandonio, Bandoleón existiert, ist der Musikalienhändler Heinrich Band (1805-1888) aus Krefeld. Er benannte das Instrument nach sich, um es von den vielen anderen Concertinas zu unterscheiden, die damals gebaut wurden. Er nahm Veränderungen der Anordnung einiger Töne, jedoch nicht der grundlegenden Mechanik und Erzeugung des Klangs vor, so dass er nicht als Erfinder des Bandoneón bezeichnet werden kann. Band selber hat das Instrument nie selbst hergestellt.

In Argentinien nennt man es auch Bandola, aber der populärste Name unter den Anhängern des Tango ist "Fueye".

Industrielle Herstellung

Später erst begann die industrielle Herstellung des Bandoneón. 1864 brachte Alfred Arnold die berühmte Marke "A-A" auf den Markt. 1911 gründete er die "Alfred Arnold Bandonión, Konzertina und Piano Accordión Spezial Fabrik". Das Unternehmen stellte, mit Unterbrechungen während der beiden Weltkriege, bis 1949 neben der "A-A" auch die Marken "Premier" und "América" her. Das bekannte deutsche Unternehmen Hohner produzierte die Marken "Germania", "Tango", "La Tosca", "Concertista", "El Pentagrama" und "Cardenal". Auch die Firma "Mainer und Herold" stellte Bandoneones her, nämlich die Marke "3B".

Außerhalb von Deutschland wurden die Instrumente auch in Brasilien, Italien und Japan hergestellt, diese Instrumente waren jedoch unter Argentiniens Musiker nicht sehr beliebt.

Bandoneón-Spieler, Figur

Charakteristika

Das Bandoneón ist ein Aerophon ("Luftklinger"), d.h. ein Musikinstrument, dessen Klang durch direkte Schwingungsanregung der Luft erzeugt wird. Es ist tragbar, besitzt Tasten und wird durch zwei Holzkassetten betrieben, in deren Innerem der Ton durch eine durch einen Luftstrom angeregte freischwingende Metallzunge erzeugt wird. Das Instrument nahm mit der Zeit und die verschiedenen Verwendungen an Größe und Notenanzahl zu: das heute benutzte Modell hat 72 Tasten, 38 auf der rechten, Diskantseite und 33 auf der linken Bassseite, und insgesamt 142 Stimmen.

Es gibt schwarze, braune, gelbe und sogar weiße Bandoneones. Die Kassetten sehen unterschiedlich aus, von den Originalinstrumenten mit spitzen Scheiteln bis zu den heuitgen mit abgerundeten Ecken und der klassischen Lyraecke. Manche Modelle haben Einlegearbeiten aus Perlmutt.+

Jede Taste gibt einen Ton ab, so dass man für einen Akkord mehrere Tasten gleichzeitig drücken muss. Der Klang des Bandoneóns ist sauber und mit einer großen Ausdehnung, die es Anfang des 20. Jahrhunderts zu einem in Tangoorchestern geschätzten Soloinstrument werden ließen.

Ankunft in Argentinien

Zur Ankunft des Bandoneón nach Argentinien gibt es unterschiedliche Ansichten.Nach einer Version erreichte das Instrument 1862 Argentinien und man weiß, dass der Schweizer Schuhmacher die Truppen während des Kriegs der "Triple Allianza" damit in Kampfpausen unterhielt. Fünfzehn Jahre später entsteht der Tanz und die Musik, die das Bandoneón berühmt machen sollten.

Nach anderen Version war es ein englischer Seemann, Thomas Moore, der ein Instrument mit 32 Tasten brachte, ein Brasilianer namens Bartolo oder ein Viehtreiber mit dem Namen Pascualín, der es aus Deutschland mitbrachte oder ein Sohn von Band, der ein Insturment seines Vaters brachte und der einem Einheimischen, José Santa Cruz, die ersten Übungsstunden erteilte. Das einzige, was man weiß ist, dass das Instrument gegen 1870 den Hafen von Buenos Aires erreichte, ohne dass man seine Mechanik und Technik kannte, ohne musikalische Tradition, ohne eigene Geschichte.

Als das Instrument durch den Tango populär wurde, wurde es von mehrern Firmen aus Deutschland importiert. Es gab zwar einen Versuch das Bandoneón in Argentinien durch "Luis Mariani" zu bauen, als der Import wegen des zweiten Weltkriegs stockte, der Versuch wurde dann aber wieder aufgegeben, so dass das Bandoneón letztlich nie in Argentinien hergestellt wurde.

 

Quellen:

www.bandoneon-metodo.com, www.tango-argentina.de, www.krefeld.de, u.a. Foto: Pavel Krok, Wikipedia

 

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Che, Bandoneón von Hanibal Troilo