Atahualpa Yupanqui

Atahualpa wurde am 31. Januar 1908 in Pergamino, Provinz Buenos Aires, als Héctor Roberto Chavero geboren. Er war kaum 10 Jahre alt, als seine Familie in die Provinz Tucumán umzog. Fünf Jahre später stirbt sein Vater, und Atahualpa musste wieder zum Ort seiner Kindheit zurückkehren.

Der Weg zu den Ursprüngen

Mit 18 Jahren, als sich schon seine Karriere als Künstler abzeichnete, beginnt Atahualpa das Land zu bereisen. Auf seiner ersten Reise kommt er in die Provinz Jujuy, nach Bolivien und in die Valles Calchaquíes. 1931 geht er nach Uruguay ins Exil, kehrte nach drei Jahren wieder nach Argentinien zurück und ließ sich an verschiedenen Orten nieder: Tucumán, Santiago del Estero, Catamarca, Salta und Jujuy. In dieser Zeit fing er an die alten einheimischen Kulturen zu erforschen. So durchquerte er auf dem Rücken eines Esels den Altiplano (das Hochland) und die Valles Calchaquíes.

Bis zum Ende der 1930er Jahre begannen verschiedene Künstler die Lieder von Atahualpa Yupanqui populär zu machen. Nach der ersten gescheiterten Ehe mit María Martínez heiratete Atahualpa Paula Pepin Fitzpatrick, die ihn für immer begleiten sollte. Unter dem Pseudonym Pablo Del Cerro arbeitete sie auch kreativ mit ihm zusammen. Nach der Herausgabe seines ersten Buches "Piedra sola" musste er zunächst Raco, sein geliebtes Dorf in Tucumán verlassen - später, nachdem er von 1946 bis 1949 eingesperrt und geächtet worden war, auch Argentinien. In dieser Zeit schrieb er die Zambas "Adiós Tucumán" und "La añera", mit denen er bekannt wurde.

Cover: Atahualpa Yupanqui - La paloma enamorada

Verschlossen

Im Vorwort zu einem 1972 für die Zeitschrift Marcha geführten Interview sagte der Uruguayer Alfredo Zitarrosa: "Don Atahualpa ist seit langem ein verschlossener Mensch, vor allem wegen seiner Berühmtheit, die er nicht bewältigen konnte. Er ist nicht für den Smoking und für Festlichkeiten geboren, ebenso wenig wie für das Unterschreiben von Autogrammen oder den Beifall. Er genießt es nicht, kann es nicht genießen. Er ist geboren, um zu erschaffen, bescheiden und hartnäckig; um unter allen möglichen Liedern das schönste, das tiefergehendste, älteste - und das am wenigsten ihm eigene auszuwählen. So machte er es jahrelang, jahrzehntelang, gefangen , verletzt, vergänglich, sanft, bis zur größten Erschöpfung."

Cover: Atahualpa Yupanqui - Basta ya

Die Milonga

In dem selben Bericht erklärte Atahualpa: "Die Milonga (Red.: argentinische Liedform) ist eine Ausrede des Menschen, ein Rhythmus, der sich von Region zu Region unterscheidet. [...] Alle paar Kilometer ändert sich die Weise der Milonga; nicht der Rhythmus, sondern die Weise. [...] Die Milonga von Bahía Blanca ist anders als die von Santa Fe."

Die Milonga ist die Musikform, die für die Musik von Atahualpa Yupanqui besonders typisch ist und die immer mit dem Río de la Plata verbunden ist. Dennoch ließ sein Leben im Nordwesten Argentiniens es auch zu, dass er andere Lieder, wie z. B. Zambas, Chacareras und Bagualas komponierte und in seiner unnachahmlichen langsamen und ruhigen Art sang.

Ein politischer Mensch?

Atahualpa war Mitglied der Kommunistischen Partei, aus der er später wegen seiner harten Kritik ausgeschlossen wurde. In jedem Fall verbindet man ihn mit den sozialen Problemen des Landes und Atahualpa selbst hielt sich auch nicht von den politischen Konflikte fern. "Ich weise auf die Ungerechtigkeit hin, die im Menschen wohnt. Ich rufe nicht dazu auf, politisch etwas in Ordnung zu bringen, weil ich kein Politiker bin, aber wenn es ein Schlagloch gibt, ein Loch in der Straße und ich sehe, dass die Räder der Autos kaputt gehen - dann ist es so, als ob jemand hingeht und dem Bürgermeister sagt: 'schau hin, wie die Autos kaputt gehen, dort ist ein Loch'", erläuterte Atahualpa.

Atahualpa Yupanqui ist in Argentinien immer noch präsent. Am 23. Mai 1992 starb er in Frankreich während einer Tournee. Als er 20 Jahre zuvor von Zitarrosa gefragt wurde, wie lange er noch zu leben gedenke, hatte er geantwortet: "Na ja, sehr wenig, sehr wenig ... Wahrscheinlich weniger als ein Jahr. Deshalb meine Eile einige Dinge noch zu erledigen."

Zitarrosa begann seinen Bericht über das Leben und den Tod von Atahualpa Yupanqui in Form eines Briefes. "Wir wünschen dir viel Gesundheit, Don Ata, und einen schönen Geburtstag. Wir, die heute singen, sind glückllich, dass Sie damit anfingen, mit ganzem Herzen, hier, auf unserer Erde. Und ich weiß, dass Sie uns lieben. Man bemerkt es an den Falten Ihres Hemdkragens, an der Art, wie Sie das Fleisch schneiden, an der Art uns unsere Vorurteile vorzuhalten, an der von Ihnen übernommenen Verpflichtung allein zu sein und auch so zu sterben, getrennt, nicht zuletzt von den Bäumen, den Pferden, den Menschen und Wegen, die Ihre Lieder begleiten."


Quelle: Pablo Wittner, LAMAGA.com.ar

 

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